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Was im Kochtopf keine Verwendung findet, landet im Schmuckkästchen: Recycling
de Luxe machts möglich. Ist es in den Sechzigerjahren, Stichwort
Arte Povera, Usus wurde, sich wertlosen Ingredienzien für hehre Kunstproduktionen
zuzuwenden, war es nur eine Frage der Zeit, bis Essen und Artverwandtes den Weg
auf den ästhetischen Speiseplan fanden. Zeitgleich zelebrierte Daniel Spoerri
in der Eat Art riesige Völlereiarrangements als dreidimensionale Stillleben.
Die schön verpackten Zutaten gab es in einer munter florierenden Konsumgesellschaft
massenhaft. Gerade zehn Jahre später begann sich die subkulturelle Bewegung
der Punks zu formieren, die gegen Opulenz aller Art Stellung bezog: Euer
Müll wird uns zur Zierde. Als konsequentes Dekorum baumelten neben
Mercedessternen auch Kronkorken und Dosenverschlüsse an Ohrläppchen
und Halsketten. Dreißig Jahre sind seit diesen Proteststürmen
vergangen, und der Zeitgeist wenn auch nicht notwendigerweise die Resultate,
die er zeitigt ist ein anderer. Zum einen wurden die Codes der Punkattitüde
längst vom Mainstream subvertiert: Ein goldener, kristallbesetzter Dosenverschluss
aus dem Haus Swarovski lässt vom ideologischen Unterbau der Anarchoästhetik
nicht viel übrig. Zum anderen sind Nachhaltigkeit und neue Langsamkeit die
Schlagworte der Stunde das gilt im Mode- und Accessoirebereich ebenso wie
in vielen anderen Domänen. Während ehedem antikapitalistische Rebellen
ihren Schmuck aus dem Müll fischten oder der nouveau réaliste
Spoerri Szenen wilden Fressgelages einfror, sehen heute Kronkorken & Co. im
silberhell sprudelnden Fahrwasser der Recyclingschmuckproduktion anderer Verwendung
entgegen. Schmuck aus der Kredenz. Recyclingschmuck erfreut sich
regen Zuspruches, und besonders gern fischen Designer ihre Rohstoffe offenbar
aus der Küchenkredenz
Anderswo, so in der Berliner Werkstatt
von Antje Henke, setzt man auf Originalität und experimentierfreudige
Kundinnen. Ihre mit landesüblicher Gründlichkeit am Patentamt angemeldete
Kreation On Top ist ein zum Fingerring weiterverarbeiteter Flaschendrehverschluss,
der sich mit diversen Aufsätzen veredeln lässt und anzunehmenderweise
öfter auf der Kastanienallee als in Charlottenburg ausgeführt wird. Wenn
man nach diesem Streifzug durch diverse Designansätze auch Vorsicht gegenüber
allzu opulenten Eigenkreationen walten lassen wird: Diese Überschau kann
doch unmöglich ohne den nostalgischen Verweis auf einen Do-it-yourself-Klassiker
schließen die Nudelkette. Fraglos für viele der erste und häufig
zugleich der einzige Schritt in Richtung einer zaghaften Designkarriere. Food
Fashion in Bestform, ganz unbedarft zwar aber doch zum Anbeißen entzückend!
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